Dietmar Roth: Das etwas andere Gespräch

Dietmar RothVon Martin Batzel

Es ist die erste Begegnung nach mehr als zehn Jahren. Dietmar Roth hält sich am Treppengeländer fest. Oben angekommen reicht er die linke Hand zur Begrüßung. Es irritiert nur kurz. Sein Händedruck ist voller Kraft, mit der rechten geht das nicht mehr. Sie ist zu schwach. Spätestens jetzt wird deutlich: Das Gespräch wird keines wie manche andere. „Schwerer Schlaganfall“, sagt ein Arzt zur Dietmar Roths Töchtern Nina und Alisa im Juli 2013. Dietmar Roth bekommt das nicht mit. Er liegt im Koma – zwei Wochen lang. Dann folgt direkt die Rehabilitation. Keiner weiß zu dem Zeitpunkt, wie lange der Weg sein wird und wo er endet. Sicher ist nur: Nach diesem Mittwoch bleibt nichts mehr wie es war. Dietmar Roth erinnert sich nicht mehr daran, kennt die Abläufe nur aus Erzählungen. Nina Götz, seine Tochter, aber erinnert sich genau an den Anruf: „Papa sei im Krankenhaus und nicht ansprechbar.“ Da ahnt sie, wie ernst es ist. „So richtig erkannt haben wir es erst am nächsten Tag.“ Am Tag zuvor telefoniert Dietmar Roth mit seiner Tochter Nina. Sie spürt während des Gesprächs, dass etwas nicht stimmt. Ihr Vater bestätigt das Unwohlsein. Dietmar Roth spielt am Wochenende zuvor noch für die Traditionsmannschaft von Eintracht Frankfurt. Schon da geht es ihm nicht besonders, er wird geschont, ein Kurzeinsatz muss genügen.


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Sead Mehic - „Die Eintracht zu verlassen war mein größter Fehler“

Von Thorsten Siegmund

mehicDas Trainingsspiel dauert keine zwei Minuten, da pustet Sead Mehic erstmals in seine Trillerpfeife und unterbricht die Partie. Der vorgetragene Spielzug passt ihm nicht. Mehic gestikuliert, korrigiert die Laufwege. Er zeigt an, wohin der Ball hätte gespielt werden sollen, er verschiebt seine Spieler. Der 39-Jährige ist dick eingepackt, die blaue Trainingsjacke schützt ihn vor der Kälte. Ein Wunder, dass auf dem roten Ascheplatz bei diesen Temperaturen überhaupt trainiert werden kann. Hier auf dem Gelände des Gruppenligisten SG Bad Soden. Im Frühjahr soll ein neuer Kunstrasenplatz entstehen, doch das ist Zukunftsmusik. Bis dahin wird hier trainiert - zumindest in der Winterzeit. Inzwischen haben die Amateurkicker verstanden, was Mehic ihnen sagen will. Ein weiterer Pfiff und der Ball rollt wieder. Der Spielzug gelingt. Mehic klatscht, er motiviert. Er lebt seine neue Rolle, genau wie früher, als er noch Spieler war.

Und dabei macht er das, was er nie machen wollte. Er ist Trainer. Eine Aufgabe, die ihn eigentlich nicht gereizt hat - nicht in der heutigen Zeit. „Die meisten Spieler sind viel verwöhnter als früher“, sagt er. „Sie suchen die Fehler überall, nur nicht bei sich selbst.“ Deshalb will er nach seiner aktiven Laufbahn und 166 Einsätzen in der 2. und 3. Liga lieber am Schreibtisch arbeiten, in der Organisation oder als sportlicher Leiter eines Klubs. Hauptsache Fußball, davon kann er einfach nicht lassen. „Wenn man 20 Jahre mit dem Sport sein Geld verdient hat, will man das auch weitermachen. Da hängt das Herz einfach dran.“ Er bereitet sich gewissenhaft vor, schließt vor fünf Jahren, noch während seiner aktiven Zeit, ein Fernstudium in Sportmanagement ab. Doch das allein garantiert noch keinen Job. „Als Spieler hat man es da einfacher, davon braucht jeder Klub mehr als zwei Dutzend. Um den Einstieg als Manager schaffen zu können, braucht man auch ein bisschen Glück.“ Es gibt Gespräche mit einigen Vereinen, doch konkret wird nichts. 

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Gerhard Kleppinger: „Du warst der Arsch oder der König“

Von Martin Batzel

130622JHSVSPPP019Die knapp zwei Stunden zwischen zwei Trainingseinheiten sind gut gefüllt. Gerhard Kleppinger sichtet den kommenden Gegner, erstellt Videoanalysen für seinen Chef Alois Schwartz, nutzt die restlichen Minuten für Gespräche – oder zieht sich die Laufschuhe an und rennt sich den Kopf frei bei. Zwei oder drei Runden durch den Wald, der an das Trainingsgelände des SV Sandhausen angrenzt. Fitness first gilt auch für den Fußball-Lehrer: „Es gibt doch nichts Schlimmeres, als wenn man sich bei einem Spiel ab der 18. Minute quälen muss.“ Kleppinger meint seine Einsätze in den Traditionsmannschaften des Karlsruher SC und bei Schalke 04, zu denen er regelmäßig eingeladen wird, oder auch seinen Job als Co-Trainer des Zweitligisten SV Sandhausen. Wenn die Zuteilung  im Training nicht aufgeht, spielt der ehemalige Abwehrspieler schon mal mit. Kleppinger, für Freunde und Kollegen kurz „Kleppo“, ist mit 57 Jahren ziemlich fit.

Seine Spieler in Sandhausen könnten seine Söhne sein, er duzt sie, sie duzen ihn. Der Co-Trainer als gediegene Vaterfigur? „Bestimmt nicht, dafür bewege ich mich zu viel.“ Kleppinger sieht seine Rolle als Bindeglied zwischen Spieler und Chefcoach Alois Schwartz. Den siezen die Spieler.

Schwartz und Kleppinger trennen fast ein Jahrzehnt. „Kleppo“ ist älter, das stört aber nicht bei der Zusammenarbeit, auch wenn er die Veränderung im Umgang von Spielern und Trainern spürt: „Heute wird viel mehr hinterfragt.“ Bedeutet im Umkehrschluss: Ein Trainer muss sich viel mehr erklären. Der Profi wird zum mündigen Mitarbeiter. Das war früher anders. Die Änderung bemerkt der Profi Kleppinger erstmals bei Borussia Dortmund unter Cheftrainer Reinhard Saftig. Es waren die vorsichtigen Anfänge einer Veränderung im Umgang miteinander. Pädagogik, Kommunikation und Höflichkeit zogen langsam ein in den Profisport. „Dass ein Spieler heute in den Senkel gestellt wird wie zu meiner Zeit – unmöglich.“ Fußball sei zudem ökonomischer geworden, die Räume enger, das Spiel insgesamt schneller. „Früher sind wir alleine entlang der Linie rauf und runter, heute sind es zwei Spieler.“ Mit Viererkette und Raumdeckung würden individuelle Fehler nicht so leicht aufgedeckt. Bei der Beschreibung, wie es früher war, spricht der ehemalige Abwehrspieler Klartext: „Zu meiner Zeit hat man eins gegen eins gespielt. Anschließend warst du der Arsch oder der König, je nachdem wie man seinen Gegenspieler bearbeitet hat.“ 
 
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