Dragoslav Stepanovic: „Mit Fußball ist mein Tag gerettet“

Dragoslav Stepanovic: „Mit Fußball ist mein Tag gerettet“


Draggoslav StepanovicEs ist an einem Samstag-vormittag, als durch das Telefon das Freizeichen ertönt. Nur wenige Augenblicke später hebt er ab. Er, der legendäre Kulttrainer der 90er Jahre – Dragoslav Stepanovic. „Hier ist Stepi“, ruft er durchs Telefon. Die Stimme ist unverwechselbar und kommt einem bestens bekannt vor. Ob er Zeit habe für ein Interview? „Natürlich“, antwortet er. Nur die Uhr müsse er ein bisschen im Auge behalten: „Um 15.30 Uhr spielt schließlich die Eintracht gegen Hoffenheim. Da muss ich hin.“ Zumal Stepi diesmal vor Spielbeginn auch noch zu einem Experten-Talk auf der Waldbühne vor dem Eintracht-Museum eingeladen ist.

Reif fürs Museum fühlt sich der 64-Jährige noch lange nicht, auch wenn es um den Serben in den letzten Jahren relativ ruhig geworden ist. Seine letzte Trainerstation liegt schon über zwei Jahre zurück. In der Saison 2009/2010 trainierte er den FK Laktasi aus Bosnien-Herzegowina.

Sein Schwiegersohn, Slobodan Komljenović, war dort gerade als Manager engagiert und suchte nach einem Retter, um den schon fast hoffnungslos abgeschlagenen Verein vor dem Sturz in die 2. Liga zu bewahren. Trotz einer tollen Aufholjagd konnte Stepi den Abstieg nicht mehr verhindern. Es war der vorerst letzte Auftritt des Wahl-Frankfurters an der Seitenlinie.

Stepi, der in Bergen-Enkheim wohnt, gibt unumwunden zu, dass ihm der Trainerjob fehlt: „Ich vermisse die tägliche Arbeit mit einer Mannschaft und möchte zeitnah wieder auf den Platz zurückkehren.“ Zwei, drei Jahre im Profibereich könne er sich durchaus noch vorstellen. Er gibt aber auch zu, dass die Anfragen in den letzten Jahren seltener geworden sind: „Im deutschen Profifußball ist es als älterer Trainer sehr schwer“, klagt er. „Zuletzt hat sich der Trend, vorwiegend auf junge Trainer zu setzen, mehr und mehr verstärkt.“

Stepi hofft auf die Rückrunde, in der er gerne als „Retter“ bei einer Mannschaft im Abstiegskampf einspringen würde. „Ende Februar oder im März muss sicherlich noch der ein oder andere Trainer gehen, da der Klassenerhalt in Gefahr ist. Dann sind Männer mit Erfahrung gefragt und ich wäre sofort bereit, einem Verein zu helfen.“ Die Ligazugehörigkeit sei egal. Stepi ist Realist und weiß, dass er bei den Agenten der Bundesliga nicht mehr ganz oben im Notizbuch steht. „Wichtig ist nur, dass der Verein professionell geführt ist. Ich bin auch flexibel genug, noch einmal ins Ausland zu gehen.“ Neben Stationen in Ex-Jugoslawien trainierte der ehemalige Abwehrspieler Klubs in Ägypten, China, Griechenland und Spanien.

Über das nationale Fußball-geschehen ist er bestens informiert. „Ich bin quasi jedes Wochenende in den Stadien unterwegs“, sagt er. Bei der Eintracht, beim FSV und den Offenbacher Kickers ist er regelmäßiger Tribünengast.

„Ich beobachte eigentlich alles von der ersten bis hinunter zur vierten Liga.“ Sein Herz aber gehört weiterhin der Eintracht. Im April 1991 setzte ihn sein Freund, der damalige Eintracht-Manager, Bernd Hölzenbein überraschend für die Fachwelt auf den Trainerstuhl. Zuvor hatte der ehemalige Nationalspieler (34 Einsätze für Jugoslawien) mit dem FSV Frankfurt, Rot-Weiß Frankfurt oder Eintracht Trier unterklassige Teams trainiert.

Es folgte die erfolgsreichste Zeit in der Trainerkarriere von Stepi und eine Saison 1991/92, die noch heute mit der Vize-Meisterschaft und dem legendären Meisterschaftsfinale in Rostock einen wichtigen Platz in den Geschichtsbüchern des Vereins einnimmt.

Nach der 1:2 Niederlage in Rostock, mit der die Eintracht-Träume von der ersten Deutschen Meisterschaft nach 1959 jäh zerplatzten, prägte Stepi auf der Pressekonferenz im Ostseestadion den mittlerweile legendären Satz „Lebbe geht weida“. „Dieser Ausspruch stammt eigentlich von meiner Mutter“, erzählt Stepi. „Nach der bitteren Niederlage, die auch noch über 20 Jahre nach dem Abpfiff weh tut, war dies einfach die einzig passende Aussage. Und es ist doch schön, dass manche Leute zwar meinen Namen vielleicht nicht mehr kennen, aber diesen Spruch nie vergessen werden“, erzählt Stepi. Auch heute ist der als Frohnatur bekannte Trainer, der 1993 von Frankfurt nach Leverkusen wechselte und mit Bayer 04 Pokalsieger wurde, Stammgast bei den Heimspielen der Eintracht. „Es macht einfach Spaß der Truppe von Armin Veh zuzuschauen. Und es ist ein Riesenerfolg, dass die Eintracht als Aufsteiger schon jetzt mit dem Abstieg nichts mehr zu tun hat. Wenn der Start in die Rückrunde weiter erfolgreich verläuft, kann die Eintracht vielleicht im Sommer sogar nach Europa zurückkehren.“

Stepi würde sich freuen, wenn der Wunsch vieler Eintracht-Fans in Erfüllung ginge. Der 64-Jährige selbst hofft auch noch auf die Erfüllung seines persönlichen Trainertraums. „Es wäre toll, einmal als Nationalcoach arbeiten zu können.“ Kontakt zu verschiedenen Verbänden gab es immer mal wieder, zur Unterschrift kam es nicht. Ob er nochmal eine neue Chance als National- oder Klub-trainer bekommt ist ungewiss. Doch Stepanovic kann sich auch vorstellen, künftig im Jugendbereich zu arbeiten. „Ich beobachte sehr genau, wie sich die Trainingsarbeit in den letzten Jahren im Nachwuchsbereich weiter ent-wickelt hat. Vielleicht ergibt sich eine Chance, dass ich meine Erfahrung künftig auch an junge Spieler weitergeben kann.“

Genug Erfahrung hat er im privaten Bereich schon sammeln können, Stepi ist inzwischen vierfacher Opa. Er verbringt gerne Zeit mit der Familie, doch eines wird sich für ihn bis an sein Lebensende nicht mehr verändern. „Nur mit Fußball ist der Tag gerettet“, sagt er. Und genau deshalb müsse er jetzt auch los ins Stadion, sagt er zum Abschluss des Gesprächs. Eine schnelle Verabschiedung, und schon ist er wieder als Fußballreisender unterwegs.