Gerhard Kleppinger: „Du warst der Arsch oder der König“

Von Martin Batzel

130622JHSVSPPP019Die knapp zwei Stunden zwischen zwei Trainingseinheiten sind gut gefüllt. Gerhard Kleppinger sichtet den kommenden Gegner, erstellt Videoanalysen für seinen Chef Alois Schwartz, nutzt die restlichen Minuten für Gespräche – oder zieht sich die Laufschuhe an und rennt sich den Kopf frei bei. Zwei oder drei Runden durch den Wald, der an das Trainingsgelände des SV Sandhausen angrenzt. Fitness first gilt auch für den Fußball-Lehrer: „Es gibt doch nichts Schlimmeres, als wenn man sich bei einem Spiel ab der 18. Minute quälen muss.“ Kleppinger meint seine Einsätze in den Traditionsmannschaften des Karlsruher SC und bei Schalke 04, zu denen er regelmäßig eingeladen wird, oder auch seinen Job als Co-Trainer des Zweitligisten SV Sandhausen. Wenn die Zuteilung  im Training nicht aufgeht, spielt der ehemalige Abwehrspieler schon mal mit. Kleppinger, für Freunde und Kollegen kurz „Kleppo“, ist mit 57 Jahren ziemlich fit.

Seine Spieler in Sandhausen könnten seine Söhne sein, er duzt sie, sie duzen ihn. Der Co-Trainer als gediegene Vaterfigur? „Bestimmt nicht, dafür bewege ich mich zu viel.“ Kleppinger sieht seine Rolle als Bindeglied zwischen Spieler und Chefcoach Alois Schwartz. Den siezen die Spieler.

Schwartz und Kleppinger trennen fast ein Jahrzehnt. „Kleppo“ ist älter, das stört aber nicht bei der Zusammenarbeit, auch wenn er die Veränderung im Umgang von Spielern und Trainern spürt: „Heute wird viel mehr hinterfragt.“ Bedeutet im Umkehrschluss: Ein Trainer muss sich viel mehr erklären. Der Profi wird zum mündigen Mitarbeiter. Das war früher anders. Die Änderung bemerkt der Profi Kleppinger erstmals bei Borussia Dortmund unter Cheftrainer Reinhard Saftig. Es waren die vorsichtigen Anfänge einer Veränderung im Umgang miteinander. Pädagogik, Kommunikation und Höflichkeit zogen langsam ein in den Profisport. „Dass ein Spieler heute in den Senkel gestellt wird wie zu meiner Zeit – unmöglich.“ Fußball sei zudem ökonomischer geworden, die Räume enger, das Spiel insgesamt schneller. „Früher sind wir alleine entlang der Linie rauf und runter, heute sind es zwei Spieler.“ Mit Viererkette und Raumdeckung würden individuelle Fehler nicht so leicht aufgedeckt. Bei der Beschreibung, wie es früher war, spricht der ehemalige Abwehrspieler Klartext: „Zu meiner Zeit hat man eins gegen eins gespielt. Anschließend warst du der Arsch oder der König, je nachdem wie man seinen Gegenspieler bearbeitet hat.“ 
 
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