Manni Binz: Ich muss nicht mehr, aber ich möchte arbeiten

Manni Binz: Ich muss nicht mehr, aber ich möchte arbeiten

von Martin Batzel

Manni BinzWer Manni Binz verstehen will, muss nach Bockenheim kommen. In dem Frankfurter Stadtteil wurde er geboren, hier lebt er, hierher kam er immer wieder zurück – von seinen Stationen in Nord-Italien oder bei Borussia Dortmund. Binz‘ Lieblings-Café liegt am Eingang zur U-Bahn-Station. Gemütlich ist’s hier, Stehtische, Kaffeesorten fast ohne Ende. Nette, freundliche Frankfurter Leute, etwa 20 passen rein. Eine Toilette gibt’s nicht. Wen es drückt, der muss halt aufs öffentliche Klo in die U-Bahn. Das ist nicht schön, stört aber nicht weiter. Zu Fuß ist der Markt in wenigen Minuten zu erreichen. Drei Discounter gibt es im Umkreis von 150 Metern, zwei Ableger von Bäckereiketten, ein bisschen Einzelhandel, Obsthändler, Cafés, zwei Kioske zum Klönen. Hier, nahe der Leipziger Straße, spielt sich ab, was Manni Binz Leben nennt.

Diese kleine Idylle in der Großstadt lernt Binz noch mehr zu schätzen Anfang Juli 2013. Bei einem Benefiz-Spiel in Aachen zwischen Altstars aus Deutschland und den Niederlanden reißt seine Achillessehne. Es ist eh kein gutes Spiel für den früheren Vorzeige-Libero. Mit seinem ersten Ballkontakt trifft er ins eigene Netz. Beim zweiten Ballkontakt passiert nix, beim dritten reißt die Sehne. Binz erinnert sich gut: „Mario Basler kam gleich gerannt und sagte: Man, Manni, das war ein Knall wie ein Peitschenschlag.“ Schuld war eine blöde Drehung und vielleicht eine vorgeschädigte Sehne. In der Saison 2001/2002 zog sich Binz schon mal einen Anriss der Sehne zu. Es folgten sechs Monate Reha, das Ende als Spieler für Kickers Offenbach. Vier Monate später beendete er bei den Amateuren der Frankfurter Eintracht seine Laufbahn.