Suat Türker - Mit meinem Talent von damals wäre ich heute für manchen Erstligaverein interessant

Suat Türker: „Mit meinem Talent von damals wäre ich heute für manchen Erstligaverein interessant“

Von Thorsten Siegmund

Suat-TuerkerEigentlich wollte Suat Türker an diesem Abend keine Träne vergießen. Doch als Stadionsprecher Olaf Kruse in der 75. Minute seine Auswechslung ankündigte, überkam es ihn. Seine Augen wurden wässrig. Türker hob die Arme, klatschte in Richtung der Waldemar-Klein-Tribüne, auf der die treuesten Fans der Offenbacher Kickers stehen. Von dort feierten sie ihn mit Sprechchören. Der Weg bis zur Seitenauslinie war weit. Innerhalb von Sekundenbruchteilen liefen vor Türkers Augen noch einmal die Bilder ab, die seine Karriere als Fußballer geprägt hatten.

„Ich war traurig, aber irgendwie auch glücklich“, beschreibt er selbst den Moment – seinen letzten großen Moment als aktiver Fußballprofi am Abend des 18. Juli 2012. „Traurig, weil endgültig alles vorbei war, aber auch glücklich, weil die Fans mir mit ihrer Anteilnahme das wohl größte Geschenk machten. Ich habe keinen im Stadion mehr sitzen sehen. Alle hatten sich nur für mich von ihren Plätzen erhoben“, erinnert sich der Kultstürmer der Kickers. Die offizielle Einweihung des neuen Sparda-Bank-Hessen-Stadions gegen den Bundesligisten Bayer Leverkusen wurde die große Abschiedsvorstellung von Türker. Keiner hatte den OFC in den letzten Jahren so geprägt wie der Stürmer mit der Nummer 10.

Es war eine gegenseitige Liebesbeziehung, die vor einem Jahrzehnt begann. „Der OFC war damals mein Wunschverein. Die Verrücktheit der Fans hatte ein bisschen was von der türkischen Fankultur. Mir war klar, dort will ich hin“, erinnert sich der Ex-Profi mit den türkischen Wurzeln, der in Bayburt geboren wurde und im Alter von zwei Jahren mit seinen Eltern nach Deutschland kam. In Reutlingen wuchs er auf, in der Jugend spielte er beim VfB Stuttgart, doch erst sein Wechsel zum OFC im Jahr 2003 verhalf ihm zum großen Durchbruch.

Türker ackerte und kämpfte auf dem Platz. Tugenden, die in Offenbach mehr zählten als andernorts. Auf diese Art spielte sich Türker in die Herzen der Anhänger. Er begegnete ihnen mit Respekt und bekam diesen zurück. Insgesamt 174 Spiele bestritt er für den OFC und erzielte 66 Tore. Im Jahr 2005 schaffte er mit dem Verein den Aufstieg in die 2.Liga, 2008 stieg er wieder ab. Auch fünf Jahre später haben sich die Kickers davon noch nicht erholt, Türker beschäftigt das noch heute. „Das war absolut unnötig und kam völlig unerwartet“, sagt er.


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