VfR Mannheim - Abstieg als neue Chance

Von Martin Batzel

Boris Scheuermann bringt die Situation auf den Punkt: „Wer bisher zwei Zähler und acht Tore auf dem Konto hat, der kann nicht alles richtig gemacht haben.“ Das klingt etwas untertrieben, aber beschreibt die Situation beim VfR Mannheim wenige Tage vor dem Ende der Punktspielpause. Die Bilanz nach 19 Spielen, zwei Unentschieden, 17 Niederlagen und 44 Gegentoren lässt vermuten: Es ist noch nicht vorbei.

Ein Dutzend Spieler wurde in der Winterpause weggeschickt, 13 neue kamen. Der neue Trainer Hakan Atik, selbst erst seit Oktober im Amt, baute um. 13 Punkte sind es bis zum Vorletzten Freiburger FC, 18 Zähler bis zum ersten Nichtabstiegsplatz, belegt von Kickers Pforzheim.  Wenn man Teammanager Scheuermann zuhört, scheint es nicht das wichtigste Thema, ob es noch für den Klassenerhalt in der Oberliga Baden-Württemberg reichen könnte.

Wen wundert’s, dass Scheuermann und Volker Bagdadi zweigleisig planen. Bagdadi, 51 Jahre alt und sportlicher Leiter, und Scheuermann, 43, sind seit Dezember 2014 die beiden neuen Männer an den Schalthebeln des VfR. Ein Abstieg in die Verbandsliga Nordbaden wäre für sie so schlimm nun auch nicht. Denn Gegner wie Schwetzingen, Bruchsal, Amicitia Viernheim, TSG Weinheim, Waldhof Mannheim II versprechen mehr Zuschauer und geringere Kosten für Reise und Personal. Eine neue Liga, wenn auch eine Stufe tiefer, ist eine neue Chance. In der alten gilt es, die Runde ordentlich zu beenden. Mehr wird nicht drin sein. Das ist die Realität rund um das Rhein-Neckar-Stadion, in dem die Tradition ihren Platz unweit des Eingangs auf einer Mauer gefunden hat: Das Bild zeigt Funktionäre des VfR mit der begehrtesten Schale im deutschen Fußball. 1949 holt der Verein für Rasensport in der sogenannten „Hitzeschlacht von Stuttgart“ vor 92 000 Zuschauern durch ein 3:2 nach Verlängerung gegen Borussia Dortmund die deutsche Meisterschaft. Aus Sicht des VfR war es ein Erfolg für die Ewigkeit. Er ist der einzige Fußballverein Deutschlands auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik, der nach dem Zweiten Weltkrieg Deutscher Meister wurde, aber nie in der Bundesliga spielte. Als erster Deutscher Meister erhielt er die Schale, vorher gab es die Viktoria als Trophäe. So etwas muss doch gefeiert werden, dachte sich Scheuermann und plante für den 65. Jahrestag am 10. Juli 2014 eine Kombination aus Fete und Fußball. Das Jubiläumsspiel gegen Dortmunds Altstars verlor der VfR 2:4, aber alles drehte sich um das Replikat der Meisterschale und deren Geschichte. 

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