Borussia Neunkirchen - Eiszeit nach der Eisenzeit

Von Martin Batzel

neunkirchen
Ein Stück deutsche Fußballgeschichte bröckelt vor sich hin. Die Stehplätze verschoben, die Stufen uneben, ganze Tribünen gesperrt. Ein Bauzaun versucht, was kaum zu verhindern ist, abenteuerlustige Kinder fern zu halten von einem Monument, welches architektonisch durchaus interessant ist, aber bei dessen aktueller Beschreibung einem zusammenfassend nur ein Wort einfällt: trostlos.

Wäre es nur der Putz, ließe sich das zügig beheben. So aber nisten Tauben unter der Haupttribüne, werden die Freiflächen darunter zur Müllentsorgung genutzt, sind die Kioske schon lange geschlossen, schieben ungebetene, neugierige Besucher die Bauzaunelemente beiseite. „Eltern haften für ihre Kinder“ steht da. Aber es sind nicht nur diese, deren Neugierde geweckt wird. Die eine Hälfte des Stadions am Ellenfeld in Neunkirchen gleicht einem Abenteuerspielplatz. Sie ist gesperrt. Auf Schildern zeigt der Verein seinen Haftungsausschluss an. Ketten verschließen die schweren Tore zum ehemals zweitgrößten Stadion des Saarlandes, in das heute maximal 18.000 Zuschauer ­gelassen werden dürfen. Ursprünglich passten 30.000 hinein – bei einer Stadt, deren Einwohnerzahl heute bei 46.000 liegt.

Nicky Kassner, früher Fanbeauftragter von Borussia Neunkirchen, fasst schnörkellos zusammen: „Unser schönes Stadion ist baufällig.“ 104 Jahre nagen an der Substanz, es gibt Ideen und Visionen, aber mehr bisher auch nicht. Das Stadion gehört seit den 1990er Jahren der Stadt, die aber kein Geld investieren will. Tunnel aus Holz verhindern, dass Betonstücke möglicherweise auf Zuschauer fallen, Fangnetze sollen ebenfalls schützen. Die „Spieser“-Kurve ist gesperrt, die Stufen sind verschoben. Der Name der Stehränge hat nichts mit geistiger Unbeweglichkeit zu tun. Die Tribüne liegt in Richtung Spiesen-Elversberg. Dort gibt es Geld, die Sportvereinigung spielt in der Regionalliga Südwest und dort durchaus eine gute Rolle. Borussia Neunkirchen kämpft sich durch die fünftklassige Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar, hat viel Platz nach unten und noch mehr nach oben. Ist das die Zukunft? Wie viel Platz bleibt in der Vorweihnachtszeit für eine der sieben Todsünden: den Neid? Während Nachbar Saarbrücken bei der Gründung der Bundesliga berücksichtigt wurde, musste sich Neunkirchen seine drei Spielzeiten dort erkämpfen.

»» Den kompletten Artikel finden Sie in unserer Aktuellen Ausgabe des Anstoss