VfR Wormatia Worms - Gescheitert an den eigenen Ansprüchen

Gescheitert an den eigenen Ansprüchen

Von Martin Batzel

Worms An diesem Ort lebt Fußball, wie er früher war – damals, als alle Bundesligaspiele am Samstag, um 15:30 Uhr, angepfiffen wurden, die Champions League noch Europapokal der Landesmeister hieß und die Regionalliga noch richtig etwas galt. Von 1963 bis 1974 war sie die zweithöchste deutsche Spielklasse. Dann kam der Deutsche Fußball-Bund zur Spielzeit 1974/75 auf die Idee, die zweite Liga zu gründen und Wormatia Worms gehörte am Anfang dazu, spielte fünf Jahre lang zweitklassig. Aber das war es dann auch. Vieles von dem, was sich heute im Wormatia-Stadion findet, hätte damals schon dagewesen sein können. Und vielleicht war es das auch.

Im Gang zur Kabine hängt ein Luftgemisch aus Massageöl, nasser Kleidung und Schweiß, dessen Geruch auch mit Kartons von Duftbäumen, antiseptischer Feinarbeit und viel, viel Farbe kaum wegzubekommen wäre. Dieser Sportplatz hat seinen Charme nicht verloren, auch wenn die Verantwortlichen für Marketing dem Zeitgeist folgten, als sie das als „Stadion an der Alzeyer Straße“ bekannte Gelände 2011 in „EWR-Arena“ umbenannten. EWR erschließt sich dabei noch, ohne den Energieversorger würde hier kein höherklassiger Fußball mehr gespielt, wäre der Jahresetat von 1,8 Millionen für die Regionalliga Südwest nicht aufzustellen. Aber Arena?

„Alt und ehrwürdig“ werden bei der Beschreibung ähnlicher Spielstätten gerne verwendet. Am Eingang steht das blumengeschmückte Ehrenmal der Verstorbenen beider Weltkriege mit einer großen Weltkugel obenauf und der verblichenen Inschrift: „Unseren Toten“. Hinzu vier Flutlichtmasten, eine Haupttribüne für gut 900 Besucher und zum Teil Stehränge, die seit 1939 im Kern unverändert und daher heute nicht mehr nutzbar sind. Aus zwei Gründen ist längst Gras auf ihnen gewachsen: Das erleichtert die Pflege und stehen darf dort sowieso keiner mehr. Das Bauamt der Stadt Worms hat wegen Sicherheitsbedenken etwas dagegen. Und doch tat sich etwas. Nach dem Aufstieg in die Regionalliga 2008 legte der DFB fest, das Stadion müsse modernisiert werden. Neue Nebentribünen mit Sitzplätzen, aber ohne Dach wurden errichtet, der Gästeblock verschönert, 12 000 Zuschauer könnten rein, aber nur 5624 dürfen wegen der Sicherheit. Um die zwei Millionen kosteten die Arbeiten. Die Stadt zahlte, da traf es sich gut, dass der 1908 gegründete Klub sein 100jähriges Bestehen feierte.