Daniel Davari - Es gibt für einen Fußballer nichts Größeres, als bei einer WM dabei zu sein

Aus der Region – Daniel Davari


von Andreas Hunzinger

Daniel DavariWenn es möglich ist, macht sich Daniel Davari auf ins Hessische. Wie gesagt: Wenn es möglich ist. „Meine Familie wohnt noch in Gießen“, sagt der Torhüter von Eintracht Braunschweig und nennt das Zeitintervall, den er sich für Heimatbesuche vorgegeben hat. „Alle drei Wochen fahre ich für ein bis zwei Tage nach Hause“, sagt er und versieht diese Aussage mit dem Nachsatz: „Ich versuche es so oft wie möglich.“ Die privaten Verbindungen zu seinem Geburtsort in Mittelhessen, wo seine Eltern und auch seine Freunde leben, pflegt er. Auch im hektischen Fußball-Alltag. Die Versuche, seinen Anspruch einzuhalten, sind zuletzt aller-dings erschwert worden. Denn Davari ist nicht nur ein Teil der bemerkenswerten Renaissance von Eintracht Braunschweig, die den Verein in den vergangenen zweieinhalb Jahren von der dritten Liga erstmals seit 28 Jahren wieder in die Bundesliga katapultiert hat: Der 25 Jahre alte Torwart ist neuerdings auch Nationalspieler des Iran, Länderspielpausen fallen für Heimfahrten nach Gießen also flach. Für das Heimatland seines Vaters hat er im Rahmen der Qualifikation zum Asien Cup 2015 im Spätherbst seine ersten beiden Länderspiele bestritten, am 15. November debütierte er in Bangkok gegen Thailand (3:0). „Das war ein unglaubliches Erlebnis. Ich war nervöser als sonst. Weil es ein Meilenstein für mich war, den ich sehr genossen habe.“ Vier Tage später stand er beim 4:1 im Libanon erneut im Tor.

Es war der vorläufige Höhepunkt für den Deutsch-Iraner, der als einstiger Jugend- und U-23-Torhüter des FSV Mainz 05 am Bruchweg zunächst nicht an den erfahrenen Dimo Wache und Christian Wetklo vorbei kam. 2009 wechselte er nach Braunschweig und musste sich dort ebenfalls erst ein Jahr lang mit der Reservisten-Rolle bei den Amateuren anfreunden. Doch seine Chance bei den Profis sollte kommen. Im September 2010 feierte er sein Debüt für den verletzten Stammtorhüter Marjan Petkovic, in der darauf folgenden Saison wurde er die neue Braunschweiger Nummer 1. Dass die Norddeutschen in der Aufstiegssaison letztes Jahr in 34 Spielen nur 34 Gegen-tore kassierten, war auch sein Verdienst. Seit Saisonbeginn ist Davari und viele seiner Mitspieler erstmals Teil der deutschen Eliteklasse. Die Leichtigkeit ist verloren gegangen, der Aufsteiger muss Woche für Woche eine Menge Lehrgeld zahlen. Und auch Davari war zwischendurch nicht mehr ganz unumstritten. Die Reisen mit der Nationalmannschaft des Irans bieten da eine willkommene Abwechslung. Für Davari stand sofort fest, dass er die Chance nutzen will. Und zwar nicht nur die Möglichkeit, Nationalspieler zu werden. Sondern auch die Chance, im Sommer 2014 bei der Weltmeisterschaft in Brasilien vertreten zu sein: Schließlich ist der Iran für das Treffen der besten 32 Nationen der Welt qualifiziert. Der Kontakt zum iranischen Fußballverband war über den ehemaligen Bundesligastürmer Vahid Hashemian (VfL Bochum, Hamburger SV, Bayern München) zustande gekommen. „Als Nationalcoach Carlos Queiroz bei mir angerufen hat, habe ich nicht nachdenken müssen. Ich habe sofort zugesagt“, berichtet Davari.