Uwe Stöver: „Man muss auch mal einen Spieler anzählen“

Heute kann Uwe Stöver nicht mehr mit der gleichen Kompromisslosigkeit zu Werke gehen, wie früher als Wadenbeißer in der Viererkette. Ein Geschäftsführer muss anders handeln, feinfühliger, geschickter, eloquenter.

Von Sebastian Rieth
stoeverUwe Stöver wusste, was zu tun ist. Schließlich war es nicht das erste Mal, dass sie ihn nicht mitspielen ließen. Also schnappte sich der junge Bursche mit den semmelblonden Haaren einen Ball, trottete vom staubigen Ascheplatz, stellte sich vor eine große Wand und hämmerte das Leder gegen den Beton. Minutenlang. Immer wieder. Erst mit dem rechten, dann mit dem linken Fuß. Während die Kollegen nebenan zwei gleichstarke Mannschaften formierten und wie jeden Freitag den Ernstfall probten, beackerte Stöver diesen kleinen, weißen Strich inmitten der grünen Bemalung, den er pedantisch zu treffen versuchte. Mal mit dem Spann, mal mit der Innenseite. Wie oft? Stöver hat nicht mitgezählt. Eines aber wurde ihm klar: Wer an seiner Situation etwas ändern will, muss zuerst bei sich selbst anfangen.

Mittlerweile erzählt Stöver diese Anekdote aus seinen Anfangstagen bei Bayer Leverkusen gerne, weil er weiß, dass er es zu etwas gebracht hat. Zunächst zum Bundesligaspieler, dann zum Trainer und seit einigen Jahren auch zu einem recht erfolgreichen Manager. Eine Karriere, wie auf dem Reisbrett entworfen. Ein Aufstieg, der viel Arbeit kostete.

Der 47-Jährige sitzt in seinem Büro, die Bartstoppel sind markanter, das Haar grauer geworden. Er dreht seinen Stuhl und schaut aus dem Fenster; hinüber zu den drei Trainingsplätzen, die hinter dem kleinen Stadion des FSV Frankfurt liegen. Einen Ascheplatz gibt es nicht, dafür aber einen mit Kunstrasen. Die Zeiten haben sich geändert. „Die Jungs von heute wollen Kabinettstückchen machen, die betätigen sich als Jongleur und legen den Ball in den Nacken“, sagt Stöver. Dann fängt er an zu grinsen. „Das konnte ich alles gar nicht.“


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