Kosta Runjaic: Der Bessermacher

Von Sebastian Rieth

131108TVFSVFKL1888Eigentlich wollte Kosta Runjaic nur ein Paar Schuhe kaufen. Aber man kennt das ja: Einmal zum Shoppen unterwegs, landen noch ganz andere Dinge in der Einkaufstüte. Sachen, die der Verstand nicht braucht, aber das Herz unbedingt will. Runjaic saß in einem Schuhgeschäft, als sein Blick rein zufällig auf einen Gürtel neben ihm fiel. Eine edle Ausfertigung mit einer aufwändig gestalteten Schnalle. Runjaic hatte eine Idee. Damals war er noch Trainer des SV Darmstadt 98. Zwischen ihm und dem Verein herrschte eine besondere Beziehung, die weit über das Geschäftliche hinaus ging. Und so entschied Runjaic, dass er das Emblem seines Klubs nicht nur im Herzen, sondern auch kurz unterhalb des Bauchnabels tragen wolle. Die Lilie wurde zu seiner Gürtelschnalle.

Seit zweieinhalb Jahren steht der Fußballlehrer nun schon nicht mehr am Böllenfalltor in Lohn und Brot, er ist weitergezogen, erst nach Duisburg, dann auf den Betzenberg nach Kaiserslautern. Die Gürtelschnalle mit der Lilie hat auch diese Zeiten überstanden. „Ich trage sie noch ab und zu. Nach Lust und Laune“, verrät Runjaic. Natürlich nicht, wenn er mit dem FCK dienstlich unterwegs ist, da müsste es statt der zierlichen Blume schon eher ein grimmiger Teufel sein. „Aber ich fand das damals witzig. Es hat gepasst“, erklärt Runjaic und macht deutlich: „Es war kein Marketinggag.“ Sonst würde er sie ja heute nicht mehr tragen. Mittlerweile gibt es die Schnalle sogar in zweifacher Ausfertigung. Ein Exemplar hat er einem Darmstädter Fan versprochen.

Die kleine Anekdote passt zu Kosta Runjaic. Der 43-Jährige ist ehrlich und authentisch, aber trotzdem werbewirksam. Er ist ehrgeizig und detailverliebt, aber trotzdem kommunikativ. Egal, was Runjaic in den letzten Jahren anpackte, es gelang. Ohne Ausnahme. Und das ist erstaunlich. Der Bessermacher kann nämlich nicht wie viele seiner Kollegen auf eine lange Karriere als Profi zurückblicken, im Grunde war der in Wien geborene Sohn serbischer Eltern bis zu seinem Engagement in Darmstadt ein unbeschriebenes Blatt. Niemand kannte Runjaic. Heute ist das anders. Mit dem 1.FC Kaiserslautern bastelt der akribische Trainer an dem Aufstieg in die Bundesliga. Es wäre sein vorläufiges Meisterstück – und der logische Höhepunkt einer rasanten Entwicklung.

Runjaic glaubt nicht, dass eine Karriere, wie er sie hingelegt hat, planbar ist, „aber man kann Grundvoraussetzungen schaffen, um das nötige Handwerkszeug zu haben“.  Als aktiver Fußballer hat er es nur bis in die hessische Oberliga geschafft, Runjaic war im Amateurfußball unterwegs, für mehr reichte es nicht. Zu guter Letzt kam ein Muskelbündelriss dazu. Die Laufbahn war beendet, Runjaic sattelte um und stieg als Spielertrainer in seiner Heimatstadt ein, beim SV Dersim Rüsselsheim. Er habe einfach mal spontan zugesagt, ohne sich große Gedanken zu machen, erinnert sich der Erfolgstrainer heute. Viele Entscheidungen habe er damals ohne das große theoretische Wissen aus dem Bauch heraus getroffen. Vieles war auf Anhieb richtig. Ein gewisses Talent, sagt Runjaic, gehöre eben auch dazu. Wenn der eloquente Coach Kosta, wie er einst seine SMS signierte, mittlerweile auf seine Trainerkarriere zurückblickt, dann muss er eingestehen, dass man mit dieser Entwicklung nicht rechnen konnte. Aber er ist auch stolz. Stolz darauf, dass sich die Schinderei gelohnt hat. „Es steckt viel Arbeit dahinter, sehr viel Eigeninitiative, viel Liebe zum Beruf.“ Das alles brachte er mit: „Ich habe schon immer den Fußball im Kopf gehabt, das war meine Sportart.“

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