Benno Möhlmann: Seine Arbeit im kleinen Paradis

Benno Möhlmann: Seine Arbeit im kleinen Paradis

von Jörg Daniels

Benno Möhlmann Undurchschaubar zu sein – das ist die Idealvorstellung für Benno Möhlmann. In der Außendarstellung nicht eingeordnet werden zu können, von niemandem. Denn dann, findet der Trainer des FSV Frankfurt, hätte er im Fußballgeschäft viel mehr Möglichkeiten, Überraschendes zu tun.

Nur wie soll das gehen in einer Zeit, in der durch die Vielfalt der Medien kaum etwas verborgen bleibt. In der alles wichtig zu sein scheint, selbst Nebensächlichkeiten zum Thema werden. Möhlmann weiß, dass er sich diesen Gepflogenheiten, der täglichen Jagd nach neuen Nachrichten, nicht entziehen kann. Deshalb arrangiert sich der 59-Jährige mit dem Zeitgeist und gibt Interviews – auch wenn ihm das bis heute keinen Spaß macht. Am liebsten würde es der ehemalige Hamburger Bundesligaprofi, der 1988 seine Karriere beendet hatte, wie die früheren HSV-Trainer Ernst Happel und Branko Zebec halten, mit deren Gesprächsbereitschaft es nicht weit her war. „Das hat den beiden auch geholfen, erfolgreich zu arbeiten“, sagt er. „Die Öffentlichkeit wusste vieles nicht. Heute ist das anders.“

Möhlmann ist kein Dampfplauderer. Viel lieber arbeitet der bodenständige Niedersachse mit Akribie auf dem Platz und lässt Taten sprechen. Nun muss Möhlmann, der seine Abneigung gegen immer wiederkehrende Journalistenfragen an guten Tagen mit Charme zu überspielen weiß, ansonsten aber mit Bockigkeit reagieren kann, bei den Bornheimern aber nicht zu sehr leiden. Der Zweitligaklub steht in der Großstadt im Schatten der großen Frankfurter Eintracht. Mehr als ein Reporter vor Ort ist die Ausnahme bei der täglichen Trainingsarbeit. Insofern ist der Bornheimer Hang mit seiner Ruhe – auch das Fanaufkommen ist sehr begrenzt – ein kleines Paradies für den in Lohne im Landkreis Vechta geborenen Mann, der in der Glitzerwelt des Fußballs seine Nische gefunden hat. Diese ist bezeichnenderweise nicht ganz oben in der Bundesliga zu finden. Mit weit über 400 Spielen ist Möhlmann vielmehr der Rekordtrainer der zweiten Liga. So gesehen ist er als Prototyp der Mann der Mitte im deutschen Fußball. Dieses Alleinstellungsmerkmal hat er. Möhlmann: „Mich freut nicht so sehr die pure Zahl. Eher, dass ich es geschafft habe, 40 Jahre im Profifußball dabei zu sein - die Zeit als Spieler eingerechnet.“

Ingolstadt, Fürth und Bielefeld hießen seine weiteren Stationen in der 2.Liga. Nur zweimal – beim HSV und in Bielefeld – hatte Möhlmann für überschaubare Zeit das Sagen im Oberhaus. Und ein Mal traf er auf jeden Fall die falsche Karriereentscheidung, als er 1995 vom HSV in die Oberliga Nord zu Eintracht Braunschweig wechselte. Dort schaffte er es nicht, wie von ihm geplant, etwas aufzubauen. Dabei ist es im Fußball zu seinem Lebensthema geworden, quasi aus dem Nichts nachhaltige Entwicklungsarbeit zu leisten. Der Klassenverbleib 1998 mit Greuther Fürth in der zweiten Liga und der Aufstieg mit Bielefeld vier Jahre später in die Bundesliga – das sind für ihn seine größten Erfolge. Titel hingegen holte der Mitbegründer und Ehrenpräsident der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VdV) keine. Doch das stört ihn nicht. Er braucht die große Plattform nicht. Keine Frage, Möhlmann ist ein Typ in der schnelllebigen Fußballwelt.

Mit Leib und Seele ist der Familienvater, der längst mehrfacher Großvater ist, Pragmatiker. Einer mit Prinzipien. Von seiner Wohnung wären es nur fünf Minuten Fußmarsch bis zum Stadion. Trotzdem fährt der ehemalige Mittelfeldspieler immer mit dem Auto zum Trainingsplatz. Denn: Den Berg, den ich hinunterlaufe, müsste ich ja auch wieder hoch“, sagt er. Die Logik spricht für ihn. Auch in dieser Sache folgt Möhlmann ganz seiner Philosophie. Nur im Einzelfall verlässt er die Vernunftebene – und lässt sich dann von Emotionen und Einflüssen von außen leiten. So verlängerte er im November des vergangenen Jahres seinen Vertrag in Frankfurt vorzeitig bis Juni 2015. Dabei hatte Möhlmann seine Entscheidung erst dann treffen wollen, wenn klar sein würde, dass der FSV die Klasse halten wird. Aber momentan zählen die Bornheimer zu den Abstiegskandidaten – wie viele andere Mannschaften in dem dichten Feld der sportlichen Sorgenkinder. Im Erfolgsfall hätte der Cheftrainer die Hessen zum zweiten Mal vor dem Absturz in die dritte Profiliga bewahrt. Nur in der abgelaufenen Runde spielten sie mit Rang vier eine außergewöhnliche Saison. Von „König Benno“ war damals zur Feier der tollen Spielzeit die Rede. Mit solchen Lobpreisungen, wen wunderts, kann Möhlmann jedoch nichts anfangen. Zu gut kennt er die Mechanismen und Unwägbarkeiten des Geschäfts, um sich Gefühlsduseleien zu erlauben.