Markus Hankammer: Der Visionär vom Halberg

Markus Hankammer: Der Visionär vom Halberg


Von Jörg Daniels

Markus Hankammer Die Geschichte stimmt nicht. Jene, dass der erfolgreiche Unternehmer Heinz Hankammer seinen Sohn Markus zum Fußball geschickt habe. Mit dem Wunsch, dass er lernen möge, sich mehr zu fügen, schließlich sei sein Filius damals ein „Querulant“ gewesen. Aber: „Anfang der dritten Schulklasse bin ich mit drei, vier Jungs zum Training des SV Wehen gegangen“, erinnert sich Markus Hankammer. „So kam dann auch mein Vater immer zu den Spielen dazu.“ Immerhin: Das mit dem „Querulanten“ kann der heute 45-Jährige nicht ganz von sich weisen. „Damals war ich ein bisschen auf Krawall gebürstet.“ Markus Hankammer, der drei Söhne hat, die alle Hockey spielen, sagt: „Der Mannschaftssport ist für das Sozialverhalten sehr wichtig.“ Den Fußball, den er aktiv bis zu seinem 22. Lebensjahr betrieben hat, hat ihm einiges für seine Persönlichkeitsentwicklung gegeben. Wie die Familie Hankammer den Aufschwung des Klubs, der jetzt SV Wehen Wiesbaden heißt und in der dritten Profiliga spielt, wie kein anderer geprägt hat – und auch weiterhin prägt. Ohne sie wäre der ehemalige Dorfverein von 2007 an nicht für zwei Spielzeiten in der zweiten Liga vertreten gewesen.

„Seit weit über 30 Jahren unterstützen wir den Verein finanziell und auch persönlich“, sagt Markus Hankammer. „Er ist Teil der Familie, des Ganzen.“ Dieser Stellenwert dürfte sich sicher in den Zuwendungen ausdrücken, über die die Familie an exponierter Stelle entscheidet. Seit November 2010 ist Markus Hankammer Präsident des momentanen Aufstiegsanwärters in die zweite Liga. Vor bald drei Jahren löste er seinen Vater ab, der den Posten 27 Jahre lang inne hatte. Dementsprechend war von einer neuen Zeitrechnung die Rede. Durch seinen Sohn Markus hatte Heinz Hankammer, der selbst nie Fußball gespielt hat, die Leidenschaft und sein Herz für den SV Wehen entdeckt. Der Filius freute sich, wenn ihn sein Vater zu den Jugendspielen begleitete, denn das war die knapp bemessene Freizeit, die er mit ihm verbringen konnte. Heinz Hankammer erfand den Tisch-Wasserfilter und gründete das Familienunternehmen „Brita“. 1999 zog er sich dann in den Aufsichtsrat des Unternehmens zurück. Sein Sohn Markus, der an der Fachhochschule Wiesbaden Betriebswirtschaft studierte, wurde alleiniger Geschäftsführer – und das im Alter von 30 Jahren. „Das war schon ein Brett und nicht wirklich einfach“, sagt er. Und weiter: „Ich bin jemand, der sehr langfristig orientiert ist. Als Familienunternehmen ist die kontinuierliche Weiterentwicklung das A und O.“ Heute beschäftigt das Unternehmen knapp 1100 Mitarbeiter und steuert in diesem Geschäftsjahr auf einen Umsatz in Höhe von 335 bis 340 Millionen Euro zu. Verkauft wird das Produkt in über 70 Ländern.

Ambitionen, als Fußballspieler groß herauszukommen, hatte Markus Hankammer keine. Er, der es schließlich bis in die Bezirksoberliga schaffte, hätte sich aber gut vorstellen können, noch bei den „alten Herren“ zu spielen. Doch längst erlaubt es seine Zeit nicht mehr, auf dem Fußballplatz zu stehen. Dafür zieht er hinter den Kulissen die Strippen. Beim SV Wehen begann er sich Anfang 2007 zu engagieren – in der Zeit, als klar wurde, dass es mit dem Aufstieg in die zweite Liga klappen würde und der Wehener Halberg als Spielstätte für den Profifußball nicht mehr geeignet war. Zum großen Thema wurde deshalb der Stadionneubau in Wiesbaden. „Sportlich waren wir sehr erfolgreich“, sagt Hankammer, der damals Vizepräsident war. „Aber alles drumherum war deutlich unterentwickelt. Der Verein war ziemlich überfordert mit der Situation.“ Dazu gehörten die Organisation, das Sponsoring und der Kartenverkauf. So sah der strategisch denkende Markus Hankammer großen Handlungsbedarf und sorgte schließlich dafür, dass sich die Wehener vom einflussreichen Manager Bruno Hübner trennten.

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